Der Gottesdienst

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Solidaritätsbekundungen

Christliche Gottesdienste zeichnen sich durch vier Hauptteile aus. Dies sind die Haupteile eines jeden evangelischen bzw. katholischen Gottesdienstes und einer jeden Gemeindemesse:

1. Eröffnung und Anrufung

2. Verkündigung

3. Sakrament bzw. Solidaritätsbekundungen

4. Sendung und Segen

Wie die Gliederung christlicher Gottesdienst in vier Hauptteile zustande kommt, erkläre ich ausführlich unter Allgemein / Dynamik.

Abkündigungen, Kollekte (Dankopfer), Fürbitten mit Vaterunser

Zeichen der Solidarität mit den Leidenden

Ich beschreibe hier den Gemeindegottesdienst ohne Abendmahl (Eucharistie). Für diesen Wortgottesdienst ohne Sakrament fasse ich die Elemente „Abkündigungen“, „Dankopfer“ (Kollekte), „Allgemeines Kirchengebet“ (Fürbitten) zu einem Hauptteil zusammen. Ich beschreibe sie hier unter der Überschrift "Solidaritätsbekundungen".

Damit erhalten diese gottesdienstlichen Elemente keinen neuen Ort im Gottesdienst. Sie behalten ihre übliche Stelle im Rahmen des Gottesdienstablaufes. Sie erhalten aber ausdrücklich ein besonderes Gewicht - in der Hoffnung, damit anzuregen, dass sie als „Block“ nicht so leicht übersehen werden, wenn ein Hauptteil zur besonderen Ausgestaltung und Entfaltung aussucht wird. Diese Teile dürfen nicht absinken als „Rest vor dem Schluss“.

 

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit in Worten und Taten als Hauptteil im Gottesdienst

Im Brief an die Galater zeigt der Apostel Paulus auf, das Christen sich auszeichnen durch Sehnsucht nach Gerechtigkeit und durch „Glaube, der durch Liebe tätig ist“ (siehe Galater 5,5-6). „Der Nächste“, den wir lieben sollen wie uns selbst (Galater 5,14), sitzt nicht nur neben uns im Gottesdienst. Wir erkennen ihn und sie an der Bedürftigkeit (mit der sie unsere tätige Liebe brauchen).

In diesem Teil des Gottesdienstes lassen wir nun unseren Blick schweifen, um die Kennzeichen der Bedürftigkeit zu entdecken und um an die Menschen, die uns brauchen, zu denken (Abkündigungen), für sie zu beten (Fürbitten) und mit ihnen zu teilen (Dankopfer).

Dieser Hauptteil ergibt sich aus der Verkündigung, und er ist ebenso wichtig wie diese. Er zeigt: Aus der Verkündigung erhalten wir Kraft und lassen uns durch sie auf den Weg bringen.

 

Solidarität verlangt nach gerechter Sprache

Zu der Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Veränderung muss unsere Sprache im Einklang stehen - sie selbst muss „gerecht“ sein. In der Wahl unserer Worte grenzen wir schnell Menschen aus, die in einzelnen Lebensbereichen oder grundsätzlich anders denken, handeln und leben. Wir fördern Vorurteile und nehmen Verurteilungen vor - ohne es zu wollen. Das geschieht selbst in unseren Gottesdiensten.

Die gutgemeinte und wichtige Suche nach „Bedürftigkeit“ führt leicht dazu, dass wir uns „über“ die Menschen stellen, ihre „Gaben“ nicht wahrnehmen und nicht erkennen, dass wir von ihnen lernen können und sollten. Auch in unseren gottesdienstlichen Abkündigungen, in unseren Gebeten, und auch in unserer Weise zu spenden wird oftmals Ausgrenzung und Überheblichkeit deutlich.

 

Denkschrift "Anregungen zu einer gerechten Sprache im Gottesdienst."

Solidarität fängt schon im Denken und in unserer Sprache an. Zur Konkretisierung hier Ausschnitte aus der Denkschrift „Anregungen zur gerechten Sprache im Gottesdienst“ der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) von 1994:

„Eine gerechte Sprache bezieht die Ausdrucksmöglichkeiten und Verstehensmöglichkeiten aller ein. (...) Der bewusste Gebrauch von Beispielen, die eine andere soziale Wirklichkeit aufzeigen (die Chefin, der Mann, der eine Angehörige pflegt, der Vater, der die Kinder erzieht), kann die traditionelle (Sprach-) Wirklichkeit verändern helfen. (...) Durch die Sprache unserer Gottesdienste entsteht oft der Eindruck, als könne Gemeinde nur eine Gemeinde der ‘Starken’ sein, der die ‘Schwachen’ gegenüberstehen. Gesellschaftlich wie kirchlich gelten als Maßstab für Stärke häufig Männlichkeit, Jugend, Erfolg im Beruf, Vollbesitz geistiger und körperlicher Kräfte, Aufbau einer Familie. Daraus entsteht die Frage, ob die ‘Schwachen’ nur mit ihren Defiziten wahrzunehmen sind oder auch als „neue Kreatur“ (2 Korinther 5,17) mit Gaben, Fähigkeiten und der alltäglichen Möglichkeit, befreiende Lebenserfahrungen zu machen.“

 

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