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Das Allgemeine Kirchengebet

Das Fürbittengebet

Geschichte der Fürbitten

Der Ort im Gottesdienst

Kreativer Umgang

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Seite 5: Bestattung

Die liturgiegeschichtliche Entwicklung und die theologische Bedeutung der Fürbitten

Die Fürbitten der frühen Christenheit

In den frühesten Zeugnissen über christliche Gottesdienste finden wir schon das „Allgemeine Kirchengebet“ also das fürbittende Gebet. Sehen wir uns Gebetsaufforderungen und Gebetsanliegen im Neuen Testament an, so ahnen wir, was die Inhalte eines solchen Gebetes waren:

„Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten ...“(Jakobus 5,14); „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, ...“(1.Timotheus 2,1); „Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt“ (Hebräer 13,3); „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen“ (Matthäus 5,44).

Inhaltlich ist das Gebet, das diesen Forderungen entspricht, ein Fürbittengebet. In diesem Gebet schwingt die Predigt nach; man spürt in den Fürbitten, dass die Verkündigung zur Gemeinschaft befreit und ermutigt hat. Insofern sind die Fürbitten Antwort auf die Verkündigung.

Die Bedeutung des Fürbittgebets

Die Fürbitten sind jedoch nicht Fortsetzung der Predigt und auch nicht geprägt von der jeweiligen Kirchenjahreszeit. Die aktuellen, „allgemeinen“ Anliegen der Gemeinde und ihrer Glieder werden im Fürbittengebet vor Gott gebracht.

Diese Anliegen sind vielfältig, aber konkret. Schon zu biblischen Zeiten wurde für die Kranken, die Gefangenen, die Obrigkeit, die Apostel und Märtyrer, ja für alle Menschen, die der Fürbitte bedürfen, gebetet. Die Feinde und Verfolger ließ man nicht aus. In diesem Gebet wird Mitgefühl, Mitleid, Mittrauern, Mitbangen deutlich.

„Wir beten inbrünstig“, schreibt Justin, der Märtyrer, etwa im Jahre 155. Der Apostel Paulus fleht: 

„Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch unsern Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, dass ihr mir kämpfen helft durch eure Gebete für mich zu Gott“ (Römer 15,30).

Das Allgemeine Kirchengebet ist ein engagiertes Gebet und eine Form des Kampfes für das Wohl des Mitmenschen, für die Verhältnisse und Institutionen, in denen er lebt.

 

 

Die Fürbitten in der Alten Kirche und in den Kirchen der Reformation

Im 5. Jahrhundert verkümmerte das Allgemeine Kirchengebet nach der Predigt zunehmend zugunsten einer Litanei im Eingangsteil, bei der die einzelnen Fürbitten mit dem Kyrie aufgenommen wurden. Schon bald blieb aber auch davon nur das Kyrie (s.o.) übrig, ohne dass die Fürbitten an einer anderen Stelle einen gebührenden Platz erhielten. Man fand sie dann (in der römisch-katholischen Kirche bis in unser Jahrhundert hinein) eher „versteckt“ in den Dankgebeten und Opfergebeten der Eucharistie.

Bezüglich des Ortes im Gottesdienst und bezüglich seiner Bedeutung gaben die Reformatoren diesem Gebet die alte Stellung zurück. Luther sah in diesem Gebet für die Kirche eine „Macht wider alles, was sie anstoßen mag“. 1520 schreibt Luther im „Sermon von den guten Werken“:

„Wo solches Gebet in der Messe nicht geschähe, so wäre es besser, die Messe nachzulassen!“

Die Bedeutung, die Luther dem Fürbittengebet zumaß, wird besonders in seiner folgenden "hochtheologischen" Aussage deutlich. In seiner krassen Ausdrucksweise schreibt er:

"Findet eine Heilige Messe in prunkvollen Dom statt, fehlt aber das Fürbitten, so ist dieser Gottesdienst nur eine Kloake; feiert man die Messe dagegen im stinkenden Schweinestall und betet dabei innig für seine Mitmenschen, so ist es der schönste Gottesdienst."

Unsere heutigen Agenden sehen das Allgemeine Kirchengebet (Das fürbittende Gebet) für alle Sonn- und Feiertage vor.

 

Die verschiedenen Formen des gottesdienstlichen Fürbittgebets

Es haben sich drei Formen des Fürbittengebetes entwickelt. Sie tragen die Namen Prosphonese, Ektenie und Diakonisches Gebet:

- Liturg / Liturgin spricht, direkt an Gott gewandt, für die Gemeinde das ganze Gebet. Die Gemeinde nimmt es mit dem Amen am Schluss an (Prosphonese).

- Liturg / Liturgin nennt die Gebetsanliegen nur und bittet die Gemeinde dafür zu beten. Dies tut die Gemeinde nach jeder Nennung mit „Herr, erbarme dich“, „Kyrie eleison“ oder einem anderen Gebetsruf (Ektenie).

- Der Nennung einzelner Gebetsanliegen durch ein Gemeindeglied (früher durch den Diakon) folgt jeweils eine Zusammenfassung (also ein Kollektengebet) durch Liturg / Liturgin. Jedes dieser Kollektengebete wird von der Gemeinde mit Amen beantwortet (Diakonisches Gebet).

Jede dieser Formen bietet die Möglichkeit, dass sich mehrere Sprecher / Sprecherinnen abwechseln. So entsteht ein Wechselgebet (lateinisch: Preces).

Weiter: Wann werden die Fürbitten gelesen?

 

Wann liest man die Fürbitten im Gottesdienstablauf

Der Zusammenhang der Fürbitten mit Abkündigungen und Dankopfer sollte in der Regel gewahrt bleiben.

Die Fürbitten können aber auch an verschiedene Stellen des Gottesdienstablaufes platziert werden, sie entfallen dann natürlich an anderer Stelle:

- Fürbitten können im Eingangsteil mit dem Kyrieruf verbunden werden.

- Bei Abendmahlsgottesdiensten liegt das Fürbittengebet zwischen Verkündigung und Eucharistiefeier, oder es schließt das Mahl ab - verbunden mit dem Dankgebet.

- Im Sendungsteil, direkt vor dem Segen, weisen die Fürbitten über den gefeierten Gottesdienst hinaus in die Welt.

Weiter: Gestaltung des Fürbittgebetes

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Wie kann man das Fürbittengebet vielfältig, kreativ und ansprechend gestalten?

Mehrere Personen und Gruppen bei Formulierung der Fürbitten einbeziehen

Die Fürbitten keine Zusammenfassung der Predigt. Mit diesem Gebet wird vor Gott gebracht, was die Gemeinde zur Zeit allgemein bewegt. Daher ist naheliegend, die Menschen unserer Gemeinden mit ihren Anliegen direkt zu beteiligen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten:

Durch solche Formen der Beteiligung und Mitwirkung bei der Formulierung der Gebetsanliegen werden die Fürbitten vom "Runterlesen immer gleicher Formeln" zum "Herzensschrei" einer mitfühlenden Gemeinde.

 

Spontane Äußerungen - Bittprozessionen - Kyriegesänge

Bei Gottesdiensten in kleineren Gruppen kann die „Gebetsgemeinschaft“ ausgeübt werden: In die Stille hinein sagen die Teilnehmenden spontan ihre aktuellen Anliegen.

Bittgänge in der Form von Prozessionen durch den Kirchsaal sind möglich. Gebetsrufe, Bittgesänge (z.B. ein Kyrie) oder Stille begleiten diesen „Umgang“.

Die im Kapitel „Kyrie“ genannten Kyriegesänge und Erbarmungsrufe sind auch hier verwendbar.

 

Luthers Bittlitanei und Fürbittenlitanei

Martin Luthers „Litanei“, die wir im Evangelischen Gesangbuch unter Nr. 192 finden, muss nicht ganz vergessen werden. Zu gegebenen Anlässen (Gottesdienste zum Thema Luther oder bei Bittgottesdiensten und Bußgottesdiensten) lohnt es sich sehr, die Verwendungsmöglichkeit dieses liturgischen Bittgesanges und Fürbittgesanges gemeinsam mit dem Kirchenmusiker / der Kirchenmusikerin zu prüfen. Ggf. kürzt man Luthers Vorschlag, fügt großzügig aktuelle Gebetsanliegen ein oder nimmt sie zur Grundlage einer eigenen Litanei. Gesprochene und gesungene Abschnitte können sich dann abwechseln, damit die Litanei nicht anachronistisch wirkt.

 

Aktuelle Anlässe und Medien berücksichtigen

Das Evangelische Gottesdienstbuch widmet den Vorschlägen für Fürbittengebete viele Seiten. Da findet man viele Vorlagen in unterschiedlichen Formen und zu verschiedenen Bereichen und Anlässen. Diese Anregungen entbinden nicht von der Aufgabe, konkret und aktuell zu werden, Beteiligte einzubeziehen und Betroffenen Gehör zu verschaffen.

Die Medien, aus denen wir unsere Kenntnisse über Fürbittenanlässe erhalten, sollten eine Rolle spielen:

 

Der Stille im Rahmen des Fürbittengebetes Raum geben

In einer ein bis zwei Minuten währenden Gebetsstille bringen Teilnehmer / Teilnehmerinnen zum Abschluss des Gebets gerne ihre sehr persönlichen Anliegen still vor Gott. Diese Stille wird mit einem zur Gemeinde gesprochenen Hinweis eingeleitet, der z.B. lauten kann:

„Es gibt viele Gedanken, Bitten und Sorgen, die uns noch bewegen. Wir müssen damit nicht allein bleiben, denn unser Gott spricht: ‘Rufe mich an in der Not, so will ich dich erhören, so sollst du mich preisen’ (Psalm 50,15). Also bringen wir nun in der Stille unsere ganz persönlichen Anliegen vor Gott.“

 Mit einem Gebetssatz, wie:

„Wir danken dir, gütiger Gott, dass wir dir alles sagen dürfen, wir bitten dich, bleibe mit uns im Gespräch“ „Amen“,

oder mit einem zur Gemeinde gesprochenen Abschluss:

„Gott ist Liebe, und er spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ „Amen“,

endet die Stille und damit das Allgemeine Kirchengebet.

 

Nach den Fürbitten die betroffenen Menschen nicht vergessen

Wir sollten nicht vergessen, zu einem späteren Zeitpunkt mitzuteilen, was mit denen, für die gebetet wurde, weiterhin geschehen ist:

- Welche Entwicklung nimmt die Hungerkatastrophe?

- Was behindert den erbetenen Friedensprozess?

- Wer wurde freigelassen?

Es wird sich dabei in manchen Fällen herausstellen, dass man Grund hat, im Nachtrag das „Fürbitten“ durch ein „Fürdanken“ zu ergänzen.

 

Inklusive Sprache

Gerechte Sprache besonders bei den Fürbitten

überkommene Rollenbilder und veraltete gesellschaftliche Strukturen bestimmen besonders bei den Fürbitten die Sprache. Zwar haben die meisten Liturgen und Liturginnen schon gemerkt, dass die Welt nicht nur aus Brüdern besteht, die brüderlich lieben, brüderlich teilen, u. v. m. Aber die Tatsache, dass z.B. nicht nur „Ärzte und Schwestern“ sondern auch „Ärztinnen und Pfleger“ im Krisengebiet Dienst tun, und dass es mehr alleinstehende Menschen als Familien in Deutschland gibt, hat z.B. sprachlich noch kaum Niederschlag gefunden (auch noch nicht im Jahr 2013).

 

Nicht nur beten - auch handeln

Den Worten müssen Taten folgen. Der Zusammenhang des Gebetes zu Handlungen der Gemeinde muss deutlich werden. Gibt es eine Trennung zwischen „Betenden“ und „Handelnden“, so sollten diese Gruppen zusammengebracht werden. Fehlen solidarische Aktionen in der Gemeinde, so muss man sie schaffen.

 


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Die Formulierung dieser Fürbitten ist und bleibt eine besondere Herausforderung, der mit großer Sorgfalt begegnet werden sollte. Allzu leicht mutieren die Gebetsbitten sonst zu Kurzkatechesen, versteckten Imperativen oder unbeabsichtigten Schuldzuweisungen. Mit den "Für-Bitten" greift der Autor daher bewusst die alte Tradition der Fürbitt-Litaneien auf, die ohne besondere Umschweife die Bedürftigen nennt, sie ins Zentrum der betenden Aufmerksamkeit rückt und so Gott anempfiehlt.

Die Sammlung der Fürbitten ist aus der liturgischen Praxis des Autors an der Innsbrucker Jesuitenkirche hervorgegangen. "Limborius O. Lumma legt mit seinen Für-Bitten eine große Hilfe für die Gottesdienstgestaltung vor ... Kein moralischer Zeigefinger, keine latente Schuldzuweisung, keine Belehrung Gottes, keine Aufklärung der Gemeinde – wie wohltuend!"

 

 

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