Der Gottesdienst

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"Sendung" aus dem Gottesdienst

Geschichte und Bedeutung

Ort im Gottesdienst

Sendung kreativ

Die liturgiegeschichtliche Entwicklung und die Bedeutung des Elementes "Sendung" im Gottesdienst

Gehet hin im Frieden des Herrn
- Gott sei Lob und Dank

„Ite, missa est“ - „Deo gratias“ („Gott sei Dank“)

„Ite, missa est“ („Geht, es ist Entlassung“) sang der Diakon in der Alten Kirche vor Beginn der Eucharistiefeier, um diejenigen (insbesondere die Katechumenen) zu verabschieden, die am Abendmahl noch nicht teilnehmen durften. Die so Verabschiedeten antworteten „Deo gratias“ („Gott sei Dank“).

 

So entstand die Bezeichnung "Messe"

Aus dem Wort „missa“ dieses Entlassrufes entwickelte sich schon ab dem 4. Jahrhundert die Bezeichnung „Messe“ für Gottesdienste mit Abendmahl.

Später rückte diese Verabschiedung an den Schluss des Gottesdienstes. Diesem Entlassruf ging ein vom Bischof gesprochenes Sendungsgebet voraus, mit dem er den Segen erbat, den er dann, während er feierlich auszog, an die Anwesenden weitergab.

 

Benediktion

Seit dem 12. Jahrhundert finden wir die Schlussformel „Benedicamus Domini“ („Lasset uns preisen den Herrn“) und die Segnung vom Altar aus. Der liturgische Fachbegriff für den Schlussruf ist „Benediktion“.

 

Die Sendung in heutigen Gottesdiensten

„Gehet hin im Frieden des Herrn“
„Lasset uns benedeien dem Herrn
„Gott sei ewiglich Dank“
„Gott sei Lob und Dank“.

Für Messgottesdienste in der lutherischen Kirche setzte sich „Gehet hin im Frieden des Herrn“ durch - für Gottesdienste ohne Abendmahl: „Lasset uns benedeien dem Herrn“. Die Gemeinde antwortet in beiden Fällen mit „Gott sei ewiglich Dank“ oder „Gott sei Lob und Dank“.

Auch das „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (Da pacem, EG 421) und „Herr Gott, dich loben wir“ (Te Deum, EG 191) fand als Benediktion Platz in den Agenden.

Vor der Benediktion oder an deren Stelle sind Verse (Bibelverse oder freie Worte, die die Aussage des Gottesdienstes für den Alltag verdeutlichen) üblich. Diese Sendungsworte und die Benediktion bilden die „Sendung“.

Neuere Agenden der evangelischen Kirchen verstehen den Schlussruf „Gehet hin im Frieden des Herrn“ als Teil des Segens und setzen davor biblische Verse als Sendung.

Weiter: An welcher Stelle steht die Sendung

 


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Die Stellung der Sendung im Rahmen des Gottesdienstes

Die Sendung steht vor oder nach dem Schlusssegen oder wird mit diesem verbunden.

Verlassen Gruppen den Gottesdienst vorher (z.B. Kinder vor der Predigt oder dem Abendmahl oder die Taufgesellschaft nach dem Taufteil), so werden sie schon an der Stelle mit einem "Sendungswort" und / oder einem Segen entlassen.

Weiter: Die gottesdienstliche Sendung entfalten

Ausgestaltung und Entfaltung der Sendung

Ein Liedvers zur Sendung und zum Segen

Eine Liedstrophe kann für das Sendungswort und den Schlussruf stehen bzw. diese ergänzen. Das Evangelische Gesangbuch macht in den Abschnitten „Eingang und Ausgang“ sowie „Sammlung und Sendung“ Vorschläge. Des weiteren empfehlen wir aus dem Gesangbuch:

„Gehet hin in alle Welt“ (EG 201)

„Ich möcht, dass einer mit mir geht“ (EG 209)

„Wir wünschen Frieden euch allen“ (EG 433)

„Donna nobis pacem“ (EG 435)

„Herr, gib uns deinen Frieden“ (EG 436)

„Nun lasst uns gehn und treten“ (EG 58, Verse 1 und 11 bis 14)

 

In Büchern zu Schulgottesdiensten und im „Modernen Liedgut“ findet man eine Vielfalt passender Verse. Sehr bekannt sind z.B.:

„Gehn wir in Frieden, den Weg, den wir gekommen“

„Herr, dein guter Segen ist wie ein großer Hut“

Für besonders für Bittgottesdienste bzw. Dankgottesdienste bieten sich weiterhin  diese traditionellen liturgischen Gesänge an:

„Verleih uns Frieden gnädiglich“ (EG 421)

„Herr Gott, dich loben wir“ (EG 191) .

Das Evangelische Gottesdienstbuch schlägt für Abendmahlsgottesdienste auch das Gloria in Excelsis („Ehre sei Gott in der Höhe ...“) zur Sendung vor. Dieser Hymnus entfällt dann im Anrufungsteil.

Die Sendung ist nicht der Ort für ausführlichen Gesang. Bei einem vertonten Sendungsvers oder Segenswunsch sollte man es belassen.

 

Lieder zu Sendung und Segen im Hochzeitsgottesdienst

Paare, die für ihren Hochzeitsgottesdienst nach Segensliedern suchen, landen immer wieder auf dieser Seite. Doch für die Gestaltung der kirchlichen Trauung biete ich ein gesondertes Portal an: hochzeit-trauung.de 

Da gebe ich eine ausführliche Liste von Sendungs- und Segensliedern für die kirchliche Trauung - mit der Möglichkeit, die Lieder anzuhören und somit für den Traugottesdienst vorher einzuüben.

Unser Tipp:

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Blick ins Buch

Ein Bibelspruch als Sendungswort

Das Evangelische Gottesdienstbuch bietet eine Auswahl biblischer Sendungsworte - passend für bestimmte Sonntage und Feiertage, und betont, die meisten Wochensprüche würden sich als Sendungsworte eignen. Wir meinen allerdings, dass die Menschen an leicht verständlichen, zeitgemäßen Worten merken müssen, welche Bedeutung die Sendung hat.

Die Sendung am Schluss des Gottesdienstes ist ein bewusstes „Schicken“ mit einer Verheißung und mit einem Auftrag. Aus diesem Blickwinkel muss formuliert werden. Die Wochensprüche eignen sich üblicherweise nicht ohne weiteres. Es darf nicht der Eindruck entstehen, man nutze zum Schluss noch schnell die Gelegenheit, einen Bibelspruch „loszuwerden“.

Biblische Sprüche sollten hier mit einer entsprechenden Erläuterung, modern übersetzt, neu formuliert oder paraphrasiert dargebracht werden. Bedenkt man dies, so kann der Wochenspruch zum Sendungswort werden.

 

Mit einem Gedicht senden

Bei der Sendung darf man "poetisch" werden

Wir haben weiter oben (unter „Tagesgebet“) kritisiert, dass Gebete oftmals zu poetisch ausfallen. Was dort nicht angebracht ist, hat hier seine Berechtigung. Schickt man nun die Menschen in die Woche, so darf man ausschmücken und muss mit „Bildern“ nicht sparen. „Irische Reisesegen“, wie man sie zahlreich in der Literatur findet, sind gute Beispiele und liefern vielfältige Anregungen für Sendungsworte, die man gerne „mitnimmt“. Z.B.:

„Der Tag sei dir günstig und die Nacht dir gnädig. Die gute Hand eines Freundes soll dich immer halten. Und möge Gott dir das Herz erfüllen mit Frohsinn und Freude.“

Man formuliert thematisch passend, persönlich, in die Lebenssituation hinein, in der die Menschen sich befinden, und man bedenkt besondere Stationen wie Ferienanfang und Ferienende oder Jahreszeiten wie Frühlingsbeginn. Auch das Kirchenjahr spielt dabei eine Rolle: Die Menschen erfahren, mit welchen besonderen Auftrag sie z. B. in die Adventszeit oder Passionszeit geschickt werden; es wird bestätigt, dass Gott sie begleitet. Die Sendung zu Beginn der Adventszeit kann lauten:

„Der Herr begleite Dich auf deinem Weg nach Bethlehem. Er zeige dir, dass du nicht eilen musst. Er gebe dir die Kraft innezuhalten. Er helfe dir, dich selbst zu finden - auf dem Weg zum Kind. Er öffne dir die Augen für Menschen, die du einladen kannst, mitzugehen. Er gebe dir gute Gedanken und tröstende Worte, dass man sich dir gerne anschließt, auf dem Weg nach Bethlehem.“ - „Gehet hin im Frieden des Herrn.“

 

Die Sendung ist kein Lesungstext, "plappern" vermeiden

Wie der Gruß, so wird auch das Sendungswort sehr frei und mit Blickkontakt gesprochen. Es ist ein „gutes Wort zum Abschied“, kein Lesungstext.

 

Bitte nicht mit leeren Sendungsformeln die Menschen hinausschicken

In einigen Agenden ist vor dem Sendungswort noch einmal der liturgische Gruß „Der Herr sei mit euch“ (und die entsprechende Gemeindeantwort) vorgesehen. Natürlich gibt es dafür gute Gründe; aber Liturgie soll überschaubar und verstehbar bleiben (oder werden); sie muss sich bescheiden. überfrachten wir deshalb diesen Abschnitt nicht mit vielen Elementen, die dann für den Großteil der Menschen zu leeren Formeln werden.

 

Das Sendung und Schicken ist nicht den Geistlichen vorbehalten

Hier weisen wir noch einmal darauf hin, dass das „Spenden“ von Sendungsworten und Segen nicht den Theologen / Theologinnen vorbehalten ist. Im Gottesdienst beteiligte Gemeindeglieder können durchaus auch bei diesen liturgischen Stücken aktiv einbezogen werden. Mit einem solchen kleinen Akt leistet man einen konkreten Beitrag zur Verdeutlichung des evangelischen Amtsverständnisses. Lesen wir Johannes 14,12, so erkennen wir, dass Jesus selbst das „Priestertum aller Gläubigen“ begründet:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun, denn ich gehe zum Vater.“