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Den Schlusssegen gestalten

Fragen zur Praxis des Segnens

Seite 2: Segen gestalten

Seite 1: Bedeutung des Segens

Segnung der Gemeinschaft oder Einzelsegen?

Der Schlusssegen gilt der Gemeinschaft der Anwesenden. Wenn es heißt "Es segne dich", meint dieses "du" doch das Gottesvolk als Gemeinschaft. Sie wird mit dem Singular als Einheit angesprochen. Jeder Einzelne ist in dieser Gemeinschaft gesegnet.

Dieser gemeinschaftspendenen Bedeutung des Schlusssegens sollte man sich bewusst sein, wenn im Rahmen der Konjunktur von Segenshandlungen Menschen zunehmend wünschen, persönlich und einzeln gesegnet zu werden. Nur in sehr begründbaren Ausnahmefällen sollte man am Schluss gemeinsamer Gottesdienste jedem Teilnehmer / jeder Teilnehmerin den Segen einzeln zusprechen.

In Situationen, wo einzelne Personen gesegnet werden, sollte die, "segnende" Hand spürbar auf dem Menschen ruhen und nicht distanziert einige Zentimeter über ihm schweben. Segnen ist ein Akt der Nähe und Berührung, wie wir z.B. im 10. Kapitel des Markusevangeliums erfahren: Und er herzte sie und legte seine Hände auf sie und segnete sie.

Die Sehnsucht nach Segen

Das Interesse an Segenshandlungen und Segensgottesdiensten ist sehr stark geworden. Das sollte man gottesdienstlich nutzen. Daraus ergeben sich Anlässe für Sondergottesdienste und Möglichkeiten für die Gestaltung von Gottesdiensten.

Dabei sollten wir aber nicht ein magisches Verständnis fördern, das den Segen funktional sieht. Der Segen ist zwar mehr als nur ein Zeichen; er vermittelt durchaus die Heilsgegenwart Gottes. Es ist aber nicht so einfach, dass man erwarten darf, dem Segen folge gleich das erkennbare Heil. Wo Gott am Menschen wirkt, ist alles vielfältiger als in einfachen physikalischen Experimenten, wo man mit der Ursache gleich die Wirkung beobachten kann.

 

Segen und Kreuzeszeichen?

Wie passen der Segen des Alten Testaments und das Zeichen des Kreuzes zusammen?

Von jüngeren protestantischen Theologen und Theologinnen hören wir immer wieder, dass man alttestamentliche Segensformeln (wie den Aaronitischen Segen) nicht mit dem Kreuzzeichen verbinden solle. Denn man würde damit diese alten Texte christlich "vereinnahmen" und zudem einen Stilbruch begehen.

 

Das Argument, zum Segen des Alten Testamentes passe nicht das Kreuzeszeichen, ist aus zwei Gründen nicht haltbar:

 

1) Das Kreuzzeichen ist älter als das Christentum

Das Kreuzzeichen / Segenszeichen ist nicht ausschließlich eine "Erinnerung" an den Kreuzestod Christi. Als Ursymbol der Menschheit ist es auch in vorchristlicher Zeit und in außerchristlichen Religionen und Kulturen zu finden.  Es kennzeichnet den Herrschaftsbereich Gottes ( von Nord nach Süd, von West nach Ost).

Das Kreuzeszeichen bedeutet: Die bekreuzigte Person (oder Gemeinde) wird umfassend, "ganz und gar" dem allmächtigen Gott unterstellt. Ein alter Brauch mag dies verdeutlichen: In den ländlichen Gegenden, in denen man einen Laib Brot vor dem Anschneiden noch bekreuzigt, versteht man dies nicht als Hinweis auf den Kreuzestod Christi, sondern die Aussage ist: "Jede Krume - von oben nach unten, von rechts nach links - kommt von Gott. In diesem Brot möge ich Gottes umfassenden Segen erkennen. Es sei ein Segen für mich und alle, die davon essen."

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2) Das Kreuz erschließt neue Dimensionen

2) Altes und Neues Testament auch durch Zeichenhandlungen in Verbindung zueinander zu bringen, verkürzt die Aussage nicht, sondern erschließt uns Christen neue Dimensionen. Es ist gut, wenn es uns auf solchen Wegen gelingt, ein ganzheitliches, biblisches Gottesbild zu zeichnen.

Auch bei uns Protestanten sollte man in besonderen Fällen durchaus erwägen, ob man es für theologisch sinnvoll und praktisch durchführbar hält, dass Gottesdienstteilnehmer / Gottesdienstteilnehmerinnen sich beim Segen selbst oder gegenseitig bekreuzigen oder sich gegenseitig die Hand auflegen.

 

Segen spenden oder um den Segen bitten?

Oft möchten Liturgen / Liturginnen es vermeiden, sich aus der gottesdienstlichen Gemeinschaft herauszuheben. Sie sprechen daher "Der Herr segne uns" statt "Der Herr segne dich" bzw. "Der Herr segne Euch". Sie bitten also um den Segen, statt ihn zu spenden.

Bei Gottesdiensten ohne Leitung, von einer Gruppe vorbereitet und gefeiert, wo niemand der Gemeinde gegenübersteht, ist diese Formulierung angemessen. Sie kann dann auch gemeinsam von allen Anwesenden gesprochen werden. Doch in den üblichen Gottesdiensten drückt das "... segne uns" eine Bescheidenheit aus, für die wir keine Begründung finden.

Wird diese Wir-Form (Der Herr segne uns) benutzt, so wird dazu keine Hand aufgelegt und die Hände werden nicht über der Gemeinde ausgebreitet. Die für diesen Fall angemessene Geste ist, die Hände zu öffnen - als Zeichen des Empfangens. Auch können die Arme mit geöffneten Händen empor gestreckt werden und damit einen Kelch symbolisieren - bereit, den Segen aufzunehmen.

 

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