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Steht die Zukunft in den Sternen?

Was bringt die Zukunft? / Was bringt das neue Jahr?

Es ist eine Predigt bzw. Andacht über die ungewisse Zukunft, über Aberglaube, das Schauen in die Sterne und die christliche Zuversicht. (Zu Matthäus 2: Sterndeuter folgen dem Stern.) Der Text eignet sich für Predigten im Rahmen von Gottesdiensten Silvester, Neujahr, Epiphanias / Dreikönigstag (Heilige Drei Könige) - auch für Andachten in den ersten Tagen des neuen Jahres.

Die Predigt

Wir blicken zurück und nach vorn

Die Medien sind in den letzten Tagen dieses Jahres voller Rückblicke. Die großen und kleinen Ereignisse der Weltgeschichte rauschen in Wort und Bild noch einmal an uns vorbei.

Auch in unsere private Vergangenheit schauen wir noch einmal mit Dank, Wehmut oder Traurigkeit. Manche Wünsche haben sich erfüllt, manche Hoffnungen waren vergeblich. Da sind auch Erinnerungen an Menschen, die zu Beginn noch mit in das Jahr gingen und uns auf dem Weg verlassen mussten.

Wir legen das vergangene Jahr in Gottes Hand und schauen nach vorn. Was hält das neue Jahr für uns bereit?, fragen wir. So manche Wünsche bewegen uns. Die Jüngeren wünschen sich vor allem Erfolg, in der Schule, im Beruf, in der Partnerschaft. Die älteren wünschen sich insbesondere Gesundheit.

 

Wie wird die Zukunft sein?

Aber Leben ist immer ein Geheimnis, ein Wagnis auch. Was kommen wird, wissen wir nicht und liegt nur zum Teil in unserer Kraft. Das hat Menschen schon immer beunruhigt, und so entwickelten sich die verschiedenen Versuche, die Zukunft zu erhellen, zu beschwichtigen und Licht ins ungewisse Dunkel der Zukunft zu bringen.

Mit lauten Böllerschüssen ging man gegen die Dämonen an und mit den bizarren Figuren, die flüssiges Blei - in kaltes Wasser gegossen - ergaben, versuchte man die Zukunft zu lesen.

Beim Schießen mit Feuerwerkskörpern denkt man heute nicht mehr an das „Vertreiben der Dämonen“; ein teurer Jux ist es geworden, getragen von der Freude am Lärmen und an den bunten Farben der Feuerwerkskörper. Andere Praktiken, wie der uralte Orakelbrauch „Bleigießen“, sind zum Spiel geworden bzw. weitgehend in Vergessenheit geraten; so auch das in früheren Jahrhunderten verbreitete Salzorakel oder Mehlorakel; wobei man Salz oder Mehlhäufchen Personen zuordnete und daran, wie schnell sie sich auflösten bzw. in sich zusammenfielen, zu erkennen meinte, wer das Ende des kommenden Jahres nicht erleben wird.

Aberglaube! – wir erkennen darin unsere Sehnsucht, mehr über die Zukunft wissen zu wollen. Doch mehr erkennen wir darin nicht.

 

Die Zukunft steht nicht in den Sternen

Doch wie ist das mit den Sternen? Gerade in den letzten Wochen las, hörte und sah ich in den Medien zunehmend, dass außerordentlich viele Menschen die Astrologie bemühen, um Klarheit für die Zukunft zu erhalten. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass die täglichen Horoskope, die z.B. im Radio mit lieblicher, geheimnisvoller Stimme vorgetragen werden, jemand ernst nimmt; aber es ist kein vergessener Brauch, die Sterne nach der persönlichen Zukunft und dem Geschick der Weltgeschichte zu fragen: Steht das neue Jahr unter einem guten Stern? Sind die Sterne wohl gesonnen?, will man wissen.

Ich schaue in die Bibel und entdecke, dass sie uns die Vorstellung, wir könnten derart mit den Sternen Licht in die Zukunft bringen, zerschlägt. Das alte Testament ist ja in einer Zeit entstanden, als an jedem Hofe Sterndeuter und Traumdeuter Macht hatten. Diese werden in der Bibel verspottet und Sterne werden zum Zeichen für Macht, die schnell verlasst. Das ist die Aussage der Bibel:

Lektorin:

"Sie schauen zu den Sternen und sie greifen zu den Sternen; um auch über die Zukunft Macht zu erhalten, doch schneller als sie denken, fällt ihr Stern zu Boden. Die zu den Sternen schauen, sind wie Sterne, die kurz aufleuchten und ebenso schnell verblassen. Niemand vermisst sie. Sie werden durch neue Sterne schnell ersetzt."

 

 

Muss die Zukunft also im Dunklen bleiben?

Was ist mit unserem Wunsch, mehr über die Zukunft zu wissen? Muss die Zukunft doch im Dunklen bleiben? Ist die Zeit, die vor uns liegt, wie ein schwarzes Loch, in das wir nur unsicher, ängstlich gehen können? Gibt es keine Möglichkeit, den Weg zu erhellen? Diese Frage, bewegt und beängstigt uns Menschen seit ewigen Zeiten. Denn bei allen Wünschen, so unterschiedlich sie sind – den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit haben wir gemeinsam. Eine Sehnsucht nach einer hellen Zukunft verbindet uns.

Diese Sehnsucht bewegte auch die drei Männer, die dem Stern folgten. Dunkelheit beherrschte den Erdball und da ging ein Stern auf. Drei weise Männer machten sich auf den Weg. So sagt die Bibel.

 

Lektorin:

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

Die Weisen wurden aber nicht dafür verurteilt, dass sie einem Stern folgen auf der Suche nach Licht - so sehr die Bibel das Deuten aus den Sternen ansonsten ablehnt. Lohnt es sich also doch, zu den Sternen zu schauen? Es lohnt sich jedenfalls, bei unserer Suche nach einer lichten Zukunft, diese Bibelstelle genauer anzusehen.

 

Zwei Weihnachtsgeschichten gibt es in der Bibel

- die eine Weihnachtsgeschichte finden wir bei Lukas, eine zweite bei Matthäus. In den christlichen Kirchen gab es lange Zeit heftige Diskussionen darüber, welche dieser beiden Abschnitte die Weihnachtsgeschichte für den Heiligen Abend sein solle. Man entschied sich schließlich für das zweite Kapitel des Lukasevangeliums (mit Volkszählung, Stall, Krippe, Hirten), der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium - mit den drei Weisen, die dem Stern folgen – wurde als Lesung auf den 6. Januar verschoben. Die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland schließt die Weihnachtszeit ab.

 

Es ist eine spannende, hoch politische Geschichte

Sie will uns zeigen, wie Licht mitten in die Dunkelheit der Welt kommt. Auf unsere Frage nach einer lichten, hellen, geborgenen Zukunft will sie uns Antwort geben. Matthäus knüpft mit seiner Erzählung da an, wo im Alten Testament die großen Reiche und die Mächtigen dieser Welt als "Sternchen" bezeichnet werden, die verblassen und vom Himmel fallen.

"Wo ist der wahre König, dem wirklich gebührt König zu heißen", fragen die Weisen den König Herodes, "wir haben seinen Stern aufgehen sehen". Das ist eine Verhöhnung des Herodes. Diese biblische Geschichte zeigt, wie klein und begrenzt die Herrschaft der Mächtigen ist, die über Leben und Tod, über Leid und Wohlergehen, über Gegenwart und Zukunft bestimmen möchten.

Aber da ist einer, dessen Stern beständig ist, für den es sich lohnt, in den Himmel zu schauen und sich auf den Weg zu machen. Da ist ein Stern, wie Abend- und Morgenstern gleichzeitig – er steht für den neuen König, der alle Macht in den Schatten stellt, der es licht macht für die Gegenwart und Zukunft.

Und so ruft uns diese biblische Geschichte zu:

Ja, du darfst in den Nachthimmel schauen - gerade in der Nacht, in der du Hoffnung suchst oder dir bange ist vor der Zukunft.

Vielleicht schauen wir viel zu selten zu den Sternen; tun wir es doch, erkennen wir, dass unser ganzes Zahlensystem nicht ausreicht, die Sterne zu zählen. Und sprechen wir mit dem Psalmisten:

Lektorin:

Ich bestaune den Himmel, / Mond und Sterne auf ihren Bahnen, / wie klein ist doch der Mensch, / und doch leitest Du, / der über allem steht, / auch ihn.

Gott kommt uns ganz nah, in jedem Jahr und an jedem Ort, lass dich anrühren. Suche den Stern, aber deute nicht aus den Sternen, schau nach oben, erkenne die ewige unermessliche Kraft Gottes und höre, dass ein Stern stehen geblieben ist über der Dunkelheit. Dieser Stern möchte uns, die wir suchend sind, in den Bann ziehen. Er lenkt unsere Blicke von oben nach unten, und zeigt, dass Gott auch hier im Kleinen und im Kleinsten lebendig ist; denn über einer Hütte mit einem Neugeborenen Kind blieb der Stern stehen.

 

Lass deinen Blick schweifen, in dieser Nacht.

Halte immer wieder an, um Gott zu erkennen, und schau nicht zu schnell hinweg über die Dunkelheit in deinem Leben, über die Dunkelheiten in dieser Welt, über die vielen bangen Fragen nach der Zukunft.

Gott ruft: „In jedem kleinsten Teil deines Seins und des Seins dieser Welt möchte ich mit meiner Liebe anwesend sein, um zu erhellen. Dafür gab ich meinen Sohn.“

Diese Botschaft des Weihnachtsfestes möchte uns ins neue Jahr tragen. Gott, der in allem Sein liebevoll lebendig werden möchte - da ist die Geborgenheit verborgen, die die Menschheit ewig sucht. Gottes Liebe erkennen und unser Herz, unseren Blick, unser ganzes Sein dadurch wandeln lassen - so wird Gott lebendig.

Mir fällt das Gebet ein, das der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb. Von den Nationalsozialisten inhaftiert, formulierte er zum Jahreswechsel 1944/45 folgende Zeilen:

Lektorin (oder gemeinsam gesungen):

Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Bonhoeffer spricht von den" guten Mächten", die ihm Geborgenheit schenken. Trotz aller Ungerechtigkeit, Kriegsgefahr und dem drohenden Prozess durch die Nationalsozialisten besitzt Bonhoeffer ein Vertrauen und eine Sicherheit, die seinem Blick ins neue Jahr festen Halt verleiht. Nicht aus den Sternen, aber von diesem Stern, der Abendstern und Morgenstern gleichzeitig ist - vom Abend bis zum Morgen - erhält er sein Licht, Hoffnung für die Zukunft.

 

So können wir getrost nach vorne schauen.

Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, doch sie muss nicht nicht im Dunklen liegen. Gott selbst hat sie erhellt. Er begleitet uns, das ist sicher, das hat er zugesagt, dazu ist er in die Dunkelheit gekommen.

Wenn ich in die Welt schaue, so sehe ich, wie schnell wir auf der Suche nach der Zukunft unsere Ohren falschen Propheten öffnen, wie leicht es der Aberglaube mit uns hat. Doch wem sonst sollten wir glauben, wenn nicht dem Schöpfer allen Seins; was sonst sollten wir glauben, wenn nicht seiner Zusage.

Gott kommt uns ganz nah, in jedem Jahr und an jedem Ort, lass dich anrühren - und deine Zukunft liegt im Licht:

Lektorin:

Wie Abraham / vor vielen tausend Jahren, / so darfst du gern / zum Himmel schaun / in sternenklarer Nacht. Lass dir / von tausend Sternen / tausendmal aufzeigen, wie dein Gott / dir Zukunft zuspricht / mit jedem Stern, dir Heimat bereitet / mit jedem Stern. Doch dann / verlier dich nicht / in tausend / wachgeküssten Träumen. / Von tausend Sternen über Bethlehem / lass deinen Blick zur Erde lenken: / zu unzähligen Hütten mit Kindern im Stroh / Zukunft ersehnend und Heimat entbehrend, / Träume / tränenverwaschen / tausendmal. Dann erst erkennst du deinen Gott / ganzheitlich - tausendmal – sternenklar, / und du darfst neu zum Himmel schaun, wie Abraham vor vielen tausend Jahren. Lass dir noch einmal zurufen / welche Zukunft, welche Heimat / welche Hoffnung dein Gott bereithält. Verlier dich nun und gut und gern / in tausend wachgeküssten Träumen. (Aus: Das Zeitbuch)

Amen.