Verkündigung
Der zweite Hauptteil
von Gottesdienstes und Gemeindemesse
Protestantische Gottesdienste wie auch die katholische
Heilige Messe bestehen aus vier Hauptteilen:
1. Eröffnung und Anrufung
2. Verkündigung 3. Sakrament bzw. Solidaritätsbekundungen 4. Sendung und Segen
Die Aufteilung in vier Hauptteile entspricht einer
natürlichen Ordnung, wie ich unter Allgemein
/ Dynamik ausführe.
Seit jeher der zweite Hauptteil
christlicher Gottesdienste: Verkündigung
Der Hauptteil Verkündigung reicht von der ersten Schriftlesung
bis zum Lied nach der Predigt.
Biblische Lesungen sowie ihre Auslegung, Verkündigungslieder und das Bekenntnis des Glaubens bestimmen diesen
zweiten Abschnitt des Gottesdienstes bzw. der Heiligen Messe
Die Geschichte der biblischen Lesungen in der christlichen Gemeindemesse
Die Gottesdienste der frühen Christenheit begannen direkt mit Lesungen. Es wurde zunächst aus den
Briefen der Apostel gelesen -
in später Zeit zusätzlich aus den Evangelien und
aus dem Alten
Testament. Schon ab dem 4. Jahrhundert wurden den Sonn-
und Festtagen des Kirchenjahres feste Textabschnitte für die Lesungen
und die Predigt zugeordnet. Das sind die Perikopen. So entstand
die „Perikopenordnung“. Das Wort Perikope kommt aus dem
Griechischen und bedeutet: die aus der Bibel „herausgeschlagenen“ Abschnitte.
Wieviele Lesungen gehören in einen Gottesdienst?
Im Laufe der Geschichte des christlichen Gottesdienstes wechselte die Anzahl der Lesungen immer
wieder. Las man zunächst noch, bis alle versammelt waren (eine
Eingangsliturgie hatte sich noch nicht herausgebildet), so reduzierte
und ordnete man die biblischen Lesungen schon bald; es wurden zunächst
vier und schließlich (ab dem 6. Jahrhundert) zwei Lesungen üblich. Im
19. Jahrhundert wurde ihre Anzahl in vielen Agenden auf eine
biblische Lesung beschränkt.
Zunächst (bis ins frühe Mittelalter) waren auch noch alttestamentliche Lektionen
(Leseabschnitte) vorgesehen; sie wurden dann den Nebengottesdiensten zugewiesen.
Die Lesungen der katholischen und der evangelischen Kirche
Martin Luther (und damit die Lutherische Kirche) übernahm die
Perikopenordnung der katholischen Kirche.
Daher werden noch heute in den lutherischen aalsonntäglich die selben Texte
vorgetragen wie in der katholischen Kirche. Die Reformierte Kirche
(der Reformatoren Calvin
und Zwingli)
trennte sich dagegen von den traditionellen Lesungsreihen und ließ Texte zumeist fortlaufend lesen
(Lectio continua).
Die kreative Auswahl der biblischen Lesungen
Für unsere Gottesdienstgestaltung sollten wir uns in erster Linie fragen, ob ein
Text in den jeweiligen Gottesdienst passt. Was wollen wir aussagen,
welche Fragen wollen wir beantworten? Unser leitendes Interesse müssen
wir vorher klären, und es sollte den Anwesenden deutlich werden.
Manchmal hört man in Gemeinden die Befürchtung: „Wenn Pfarrer / Pfarrerinnen sich nicht an
vorgegebene Perikopenreihen halten, dann kommt zu sehr ihr eigenes
Interesse zum Vorschein, und ein vollständiger Überblick über die
biblischen Schriften wird nicht erreicht.“ Wir können dazu nur sagen:
Es ist wunderbar, wenn beim Lesen der Texte das Anliegen derjenigen deutlich wird, die den
Gottesdienst gestalten.
Hinter jeder Auswahl - auch hinter vorgegebenen
Reihen - steckt ein Interesse. Dieses muss sichtbar werden. „Vollständigkeit“
kann kein Maßstab sein; denn sie ist in Gottesdiensten nicht einmal ansatzweise erreichbar.
An welchem Platz wird gelesen?
Die Lesungen müssen nicht immer von der gleichen Stelle, nicht immer vom Pult aus,
geschehen. Wird z.B. aus der Mitte heraus gelesen oder wird der Text den
Anwesenden von hinten zugerufen, so löst sich Starrheit. Die Zuhörbereitschaft
wird gesteigert, denn man spürt: Der Lektor / die Lektorin hat sich
„Gedanken gemacht“, er / sie hat etwas Bedeutsames zu sagen.
Texte verstehbar machen
Es versteht sich von selbst, dass die aus dem Kontext „herausgeschlagenen“ Lesungstexte
verstehbar sein müssen. Es ist oft schwer, diesen Anspruch zu
verwirklichen; wir machen in diesem Kapitel einige Vorschläge dazu, wie
man diesem Anspruch näherkommen kann.
Die Predigt muss nicht der Mittelpunkt sein
Die Predigt ist nicht
grundsätzlich das inhaltliche Zentrum des Hauptteils „Verkündigung“.
Auch andere Abschnitte sollten entfaltet und gestaltet und somit besonderes Gewicht erhalten.
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