Der christliche Gottesdienst

Geschichte - Ablauf - Liturgie - Gestaltung

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Kirchsaal

Sakristei

1. Eröffnung

Glocken

Einzug

Eingangsmusik

Eingangslied

Gruß

Begrüßung

Abkündigungen

Psalm

Rüstgebet

Gnadenzusage

Kyrie eleison

Gloria Lobgesang

Tagesgebet / Amen

2. Verkündigung

Schriftlesung

Halleluja

Wochenlied

Evangelium

Glaubensbekenntnis   

Lied vor Predigt

Predigtext

Predigt

Kanzelliturgie

Lied nach Predigt

3. Solidarität

Abkündigungen II

Kollekte / Dankopfer

Fürbitten

Vaterunser

4. Sendung

Abkündigung III

Sendung

Segen

Musik / Nachspiel

nachher

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Verkündigung

Der zweite Hauptteil 
von Gottesdienstes und Gemeindemesse

Protestantische Gottesdienste wie auch die katholische Heilige Messe bestehen aus vier Hauptteilen:

1. Eröffnung und Anrufung
2. Verkündigung
3. Sakrament bzw. Solidaritätsbekundungen
4. Sendung und Segen

Die Aufteilung in vier Hauptteile entspricht einer natürlichen Ordnung, wie ich unter Allgemein / Dynamik ausführe.

 

Seit jeher der zweite Hauptteil christlicher Gottesdienste: Verkündigung

Der Hauptteil Verkündigung reicht von der ersten Schriftlesung bis zum Lied nach der Predigt.

Biblische Lesungen sowie ihre Auslegung, Verkündigungslieder und das Bekenntnis des Glaubens bestimmen diesen zweiten Abschnitt des Gottesdienstes bzw. der Heiligen Messe

Die Geschichte der biblischen Lesungen in der christlichen Gemeindemesse

Die Gottesdienste der frühen Christenheit begannen direkt mit Lesungen. Es wurde zunächst aus den Briefen der Apostel gelesen - in später Zeit zusätzlich aus den Evangelien und aus dem Alten Testament. Schon ab dem 4. Jahrhundert wurden den Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres feste Textabschnitte für die Lesungen und die Predigt zugeordnet. Das sind die Perikopen. So entstand die „Perikopenordnung“. Das Wort Perikope kommt aus dem Griechischen und bedeutet: die aus der Bibel „herausgeschlagenen“ Abschnitte.

Wieviele Lesungen gehören in einen Gottesdienst?

Im Laufe der Geschichte des christlichen Gottesdienstes wechselte die Anzahl der Lesungen immer wieder. Las man zunächst noch, bis alle versammelt waren (eine Eingangsliturgie hatte sich noch nicht herausgebildet), so reduzierte und ordnete man die biblischen Lesungen schon bald; es wurden zunächst vier und schließlich (ab dem 6. Jahrhundert) zwei Lesungen üblich. Im 19. Jahrhundert wurde ihre Anzahl in vielen Agenden auf eine biblische Lesung beschränkt.

Zunächst (bis ins frühe Mittelalter) waren auch noch alttestamentliche Lektionen (Leseabschnitte) vorgesehen; sie wurden dann den Nebengottesdiensten zugewiesen.

Die Lesungen der katholischen und der evangelischen Kirche

Martin Luther (und damit die Lutherische Kirche) übernahm die Perikopenordnung der katholischen Kirche. 

Daher werden noch heute  in den lutherischen aalsonntäglich die selben Texte vorgetragen wie in der katholischen Kirche. Die Reformierte Kirche (der Reformatoren Calvin und Zwingli) trennte sich dagegen von den traditionellen Lesungsreihen und ließ Texte zumeist fortlaufend lesen (Lectio continua).

Die kreative Auswahl der biblischen Lesungen

Für unsere Gottesdienstgestaltung sollten wir uns in erster Linie fragen, ob ein Text in den jeweiligen Gottesdienst passt. Was wollen wir aussagen, welche Fragen wollen wir beantworten? Unser leitendes Interesse müssen wir vorher klären, und es sollte den Anwesenden deutlich werden.

Manchmal hört man in Gemeinden die Befürchtung: „Wenn Pfarrer / Pfarrerinnen sich nicht an vorgegebene Perikopenreihen halten, dann kommt zu sehr ihr eigenes Interesse zum Vorschein, und ein vollständiger Überblick über die biblischen Schriften wird nicht erreicht.“ Wir können dazu nur sagen: 

Es ist wunderbar, wenn beim Lesen der Texte das Anliegen derjenigen deutlich wird, die den Gottesdienst gestalten.
 

Hinter jeder Auswahl - auch hinter vorgegebenen Reihen - steckt ein Interesse. Dieses muss sichtbar werden. „Vollständigkeit“ kann kein Maßstab sein; denn sie ist in Gottesdiensten nicht einmal ansatzweise erreichbar.

An welchem Platz wird gelesen?

Die Lesungen müssen nicht immer von der gleichen Stelle, nicht immer vom Pult aus, geschehen. Wird z.B. aus der Mitte heraus gelesen oder wird der Text den Anwesenden von hinten zugerufen, so löst sich Starrheit. Die Zuhörbereitschaft wird gesteigert, denn man spürt: Der Lektor / die Lektorin hat sich „Gedanken gemacht“, er / sie hat etwas Bedeutsames zu sagen.

Texte verstehbar machen

Es versteht sich von selbst, dass die aus dem Kontext „herausgeschlagenen“ Lesungstexte verstehbar sein müssen. Es ist oft schwer, diesen Anspruch zu verwirklichen; wir machen in diesem Kapitel einige Vorschläge dazu, wie man diesem Anspruch näherkommen kann.

Die Predigt muss nicht der Mittelpunkt sein

Die Predigt ist nicht grundsätzlich das inhaltliche Zentrum des Hauptteils „Verkündigung“. Auch andere Abschnitte sollten entfaltet und gestaltet und somit besonderes Gewicht erhalten.

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© Dipl.-Päd., Pfarrer Frank Maibaum        http://www.frank-maibaum.de       Stand: 04. Dezember 2011