Warum lehrte Jesus seine Jünger das Vaterunser?
Das Vaterunser steht im 6. Kapitel des Matthäus-Evangeliums.
Jesus
leitet es mit folgenden Worten ein:
Wenn Ihr betet, dann leiert nicht endlos Gebetsworte; das ist heidnisch.
Gott lässt sich nicht durch die Vielzahl der Worte beeindrucken. Also
müsst Ihr nicht so beten. Gott als euer Vater weiß doch, wonach ihr euch
sehnt, schon bevor ihr darum bittet. Betet also so:
Mit dem Vaterunser will Jesus uns also zeigen,
wie man richtig betet. Er macht es vor:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
(Denn dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit.) Amen.
Wann wurde das Gebet Jesu in die
gottesdienstliche Liturgie aufgenommen?
Seit es christliche Gottesdienste gibt (also seit der Urchristenheit)
ist das Gebet Jesu Bestandteil der Gottesdienste, wobei wir es
im Laufe der Jahrhunderte an unterschiedlichen Stellen des
Gottesdienstablaufes finden.
Welche Bedeutung hat das Vaterunser in evangelischen
und katholischen Gottesdiensten?
Die vierte und fünfte Bitte (Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unsern Schuldigern) weisen es auch als Tischgebet und Bitte um
Vergebung aus. In diesen Funktionen steht es seit dem 4. Jahrhundert im
Abendmahlsteil vor der Austeilung von Brot und Wein.
Bei den Predigtgottesdiensten des späten Mittelalters befand es sich am Schluss des allgemeinen
Kirchengebets (Fürbitten). Es vervollständigt und bekräftigte so die vorausgegangenen
Fürbitten und fasste sie im Sinne eines
Kollektengebetes zusammen.
Martin Luther, der in vielen Punkten
seiner Gottesdienstreform altkirchliche Gedanken wieder aufnahm, wollte das
Vaterunser, (gefolgt von einem Friedensgruß), wieder als Sündenbekenntnis
(und Absolution) zu Beginn des Abendmahls sehen.
Um dem gedankenlosen Sprechen (dahinplappern) dieses Gebetes
entgegenzuwirken schlug Luther statt des wörtlich
gesprochenen Vaterunsers eine Paraphrase vor. Es fügte den einzelnen Bitten
also Erklärungen hinzu, die den Redefluss unterbrachen und das Gebet vertieften.
Die Reformatoren Johannes Calvin und
Huldrych Zwingli
waren sich einig, dass es in den Predigtgottesdiensten vor die Predigt gehört.
Die Schlussformel (Schlussdoxologie) des Vaterunsers
Der Lobgesang am Schluss (Doxologie)
„Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ wurde in der frühen Christenheit dem
ursprünglichen Matthäustext angehängt. Luther nahm sie in seinen Katechismus
als Teil des Vaterunser auf.
In der katholischen Kirche unterließ
man die Schlussdoxologie. Erst nach der durch das 2. Vatikanische Konzil
eingeleiteten Liturgiereform wurde sie auch hier gebräuchlich.
Ältere Gemeindeglieder erinnern sich noch daran, dass die Gemeinde die Doxologie sang, nachdem der
Pfarrer allein das Vaterunser gesprochen oder gesungen hatte.
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