Das Glaubensbekenntnis (Credo) im Gottesdienst und in der Heiligen Messe
> Entwicklung und Bedeutung der Glaubensbekenntnisse
> Wann wird das Glaubensbekenntnis gesprochen
> Gestaltungsmöglichkeiten des Glaubensbekenntnisses
Die Geschichte und Bedeutung der bedeutenden Glaubensbekenntnisse für den Gottesdienst
Das Nicänische Glaubensbekenntnis
Nicäno-Konstantinopolitanum (Das große Glaubensbekenntnis)
Lange Zeit stand an dieser Stelle des
Gottesdienstes das Nicänische Glaubensbekenntnis (Nicänum). Es trägt
auch die Bezeichnungen: "Ökumenisches
Glaubensbekenntnis", "Großes Glaubensbekenntnis"
und "Nicäno-Konstantinopolitanum". Wir finden es als Nummer 854 im
Evangelischen Gesangbuch und unter Nr. 356 im Gotteslob. Es wurde auf den Synoden von Nicäa (im Jahre
325) und Konstantinopel (381) beschlossen und heißt daher genau
genommen das „Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel“.
Das Nizänum wurde im 11. Jahrhundert als Hymnus - vom Chor gesungen - in die römisch-katholischen
Messen aufgenommen, in denen man bis zu diesem Zeitpunkt kein
Glaubensbekenntnis fand. Auch nach der Reformation behielt es lange
diese Stellung. Wir sprechen es heute noch an besonderen Festtagen (in
der katholischen Kirche an den Hochfesten) und vielerorts auch in
evangelischen Gottesdiensten mit Abendmahl.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis
In der Regel hat das
apostolische Glaubensbekenntnis (Nr. 853 im Evangelischen Gesangbuch)
das Nicänum abgelöst. Man meinte,
es sei von den Aposteln verfasst und erhielt daher den Namen „Apostolikum“.
Das Apostolikum hat sich seit dem 2. Jahrhundert entwickelt,
bis schließlich im 5. Jahrhundert die jetzige Form festlag.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist ursprünglich ein Taufbekenntnis und war lange Zeit nur
Taufgottesdiensten vorbehalten. Martin
Luther nahm es als Taufbekenntnis in seinen Katechismus auf. Im Messgottesdienst hielt Luther dagegen am gesungenen Nicänischen
Bekenntnis fest. Es wurde vor der Predigt gesungen, der Evangeliumslesung folgend -
Als Alternative bot er sein Credolied „Wir glauben all an einen Gott“ (Nr. 183 EG) an.
Erst der preußische König Wilhelm III.
gab dem Apostolikum 1821 seine jetzige Bedeutung und Stellung im
evangelischen Gottesdienst, indem er es als festen Teil in die Agende der Altpreußischen
Union aufnahm. (In der römisch-katholischen Kirche gewann es im 19.
Jahrhundert an Gewicht und ersetzt nun zumeist das bis dahin
ausschließlich gesprochene Nizänum.)
Das Credo im Gottesdienst
„Ich glaube“ heißt
lateinisch „credo“, deshalb nennen wir diesen Teil des
Gottesdienstes „Credo“ - unabhängig davon, welches Bekenntnis gewählt
wird. Neben den erwähnten Glaubensbekenntnissen gibt es eine Vielzahl von
Glaubensbekenntnissen in Textform und Liedform. Ein christliches
Glaubensbekenntnis hat üblicherweise
drei Teile, also drei Artikel. Die Gemeinde bekennt sich damit zum dreieinigen Gott,
der immer schon war (1. Artikel), der in Jesus Mensch wurde (2. Artikel)
und dessen Geist immer sein wird (3. Artikel). Sie reiht sich damit in
das Bekenntnis aller christlicher Kirchen an allen Orten und zu allen
Zeiten ein.
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Die Stellung des Glaubensbekenntnisses im Gottesdienst
Wann wird das Glaubensbekenntnis gesprochen?
Wo hat es im Gottesdienstablauf seinen richtigen Platz?
Wenn das Credo der Predigt folgt
Das Evangelische Gottesdienstbuch macht den
Vorschlag, das Glaubensbekenntnis erst der Predigt folgen zu lassen
(nach dem Motto: „Der Glaube wächst durch die Predigt“). Damit nähert
es sich der Praxis vieler christlicher Kirchen an. Auch wird dadurch die
Predigt näher an die Schriftlesung gerückt. (Wenn es, wie vielerorts
üblich, vor der Predigt steht, trennt es die Lesung von der Predigt). Diese Stellung
im Anschluss an die Predigt war in den
spätmittelalterlichen Predigtgottesdiensten üblich, in denen keine
Eucharistie stattfand und das Credo eher katechetischen, nicht hymnischen Stellenwert hatte.
Wenn es vor der Predigt steht
Das Credo ist traditionell „Hymnus“ (Anbetung, Lob) und kann somit begründet vor der Predigt seinen Platz
haben - in der Nähe von Kyrie, Gloria, Halleluja.
Wenn das Glaubensbekenntnis direkt den biblischen Lesungen folgt
Wir können das Glaubensbekenntnis den Lesungen direkt folgen lassen,
wenn wir es als Antwort der Gemeinde auf
die zuvor gelesenen Bibelstellen verstehen möchten. So sagt man aus: „Ja,
diese Botschaft stärkt meinen Glauben.“
Das Credo im Abendmahlsteil
Wichtig ist, dass das
Credo nicht zur unreflektierten Pflichtübung wird, sondern sich aus dem
Gottesdienstzusammenhang „anbietet“. So kann es nach der
Predigt oder an verschiedenen Stellen im Abendmahlsteil stehen.
Das Glaubensbekenntnis weglassen?
Während manche
liturgischen Stücke - bei Entfaltung anderer Teile - durchaus entfallen
können, sollte man das Auslassen des Credo sehr vorsichtig behandeln.
Wie man den Schwerpunkt des Gottesdienstes auch setzt, es fügt sich
immer gut ein; ob wir loben oder klagen, anbeten oder danken - das Gegenüber
ist immer der dreieinige Gott.
Eine besondere Rolle spielt das Apostolische Glaubensbekenntnis
bei der Taufe. Hier ist es unverzichtbarer Teil der Taufhandlung.
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Ausgestaltung / Alternativen / Anregungen
Das Glaubensbekenntnis
im Gottesdienst gestalten und entfalten
Die Bekenntnisse des Altertums sind im Sprachstil
ihrer Zeit formuliert. Wir verstehen die Aussage nur schwer. Als Zeugnisse, um die lange
gerungen wurde, sollten sie in dieser Form aber nicht einfach beiseite
gelegt werden. In regelmäßigen Abständen müssen sie erläutert
werden und können auch Inhalt der Predigt sein.
Bei einer Ausgestaltung
des Bekenntnisses, wie überhaupt bei der Entfaltung der regelmäßig
wiederkehrenden Gottesdienstteile, geht es darum:
inhaltlich zu erläutern
inhaltlich zu erweitern
„plappern“ zu vermeiden.
Ein Glaubensbekenntnis
als Glaubenslied singen
Das Credolied, das Christian Lahusen zum Text von Alexander Schröder
schrieb (184 im EG), Luthers Te Deum (191 im EG) und Luthers Glaubenslied (EG
183) sollten an Stelle des Apostolikums oder des Nicänums berücksichtigt
werden. In der gesungenen Form wird besonders deutlich, dass es nicht
nur Bekenntnis, sondern gleichermaßen Lob und Anbetung ist.
Im Werkbuch zum Evangelischen Gesangbuch (Göttingen 1995; Lieferung II,
Seite 13) finden wir folgenden Vorschlag von Helmut Kornemann: Das
bekannte Credolied „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (EG 184) lässt
sich melodiemäßig dem Kirchenjahr anpassen, indem man es auf Melodien
anderer Lieder singt. Dazu eignen sich beispielsweise EG 7 (Advent), EG
24 (Weihnacht), EG 72 (Epiphanias), EG 79 (Passion), EG 106 - mit
Halleluja (Ostern), EG 140 (Michaelis), EG 193 (Reformationstag). Hier
singt der Kirchenchor der protestantischen
Kirchengemeinde Ludwigshafen-Edigheim das Credolied "Wir glauben
Gott im höchsten Thron": > anhören
Zwar sollte sich die Gemeinde an ein Bekenntnis, das sie mitsprechen oder
mitsingen kann, gewöhnen dürfen, dennoch sollten auch neuere
Glaubenslieder wie, „Lass mich an dich glauben“ (Lutz Nagel), „Wir
glauben an den Gott“ (Walter Kargel), „Kehrt um und glaubt“ (zum
Katholikentag 1982) und aktuelle Glaubenszeugnisse (idealerweise von
Gemeindegruppen formuliert) Verwendung finden.
Wird ein Glaubensbekenntnis gesungen, so entfällt die gesprochene Form.
Ein Glaubensbekenntnis für den Gottesdienst formulieren
Es
ist eine lohnende Aufgabe, wenn in Gemeindegruppen unter der
Fragestellung „Was bedeutet es für mich, dass ich Gott als Schöpfer
anerkenne? Wer ist dieser Jesus für mich? Wie spüre ich die Kraft
Gottes heutzutage?“ eigene Bekenntnisse formuliert werden. Solche
aktuellen Texte sollten ihren Platz in den Gottesdiensten finden, damit
das Bekennen der Gemeinde lebendig bleibt.
Den traditionellen Text entfalten
Erläuterungen,
Fragen, moderne Übersetzungen können vers- bzw. abschnittweise (von Einzelnen oder einer Gruppe gelesen) zwischen die
traditionellen Texte gefügt werden. Strophen moderner Glaubenslieder
(gelesen oder gesungen) eignen sich dazu. Text und Gesang können sich abwechseln.
Die Trinität beachten
Die
drei Artikel unserer christlichen Bekenntnisse künden von den langen
Auseinandersetzungen um das „Geheimnis des Dreieinigen Gottes“. Bei
Neuformulierungen sollte man nur in begründeten Ausnahmefällen auf die
entsprechende „Dreigliedrigkeit“ verzichten. Soll ein Artikel
hervorgehoben werden, so müssen die anderen beiden deshalb nicht
wegfallen. Ein Artikel kann besonders gestaltet werden und somit
dominieren- passend zur Aussage des Feiertags oder Themas.
Körperliche Ausdrucksformen zum Glaubensbekenntnis
Welche körperliche Haltung entspricht dem Credo? Der Vielseitigkeit dieses Stückes
sind mehrere Haltungen und Gesten angemessen: Luther verstand es als ein
Gespräch mit Gott, bei dem man die Hände faltet und sich setzt oder
niederkniet; in der Zeit des Nationalsozialismus bekam es die Prägung
des stolzen, mutigen Gegenbekenntnisses - bei dem man stehend die Arme
auf den Rücken verschränken kann; dem ursprünglichen Hymnuscharakter
kommt es nahe, die Arme in den Himmel zu strecken.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis in ökumenischen Gottesdiensten
Bei
ökumenischen Gottesdiensten wird es manchmal peinlich. Spricht man im
dritten Artikel, „ich glaube an ... die heilige christliche Kirche“ oder „ ... die heilige katholische Kirche“?
Die ökumenische Fassung bietet einen Ausweg: „...allgemeine christliche Kirche“.
Zudem muss man wissen, dass das Wort „katholisch“ in diesem Zusammenhang keine Einschränkung
auf die Konfession markiert. Es bedeutet entsprechend seinem
griechischen Ursprung „weltumfassend“ / „über die ganze Welt
verbreitet“. So schwächt es ökumenisches Denken nicht, wenn in einem
Gottesdienst „katholisch“ und „christlich“ nebeneinander gesprochen werden.
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