Allgemeines Sündenbekenntnis - Bußakt
Die Ausformung, Gestaltung und
Entfaltung des Rüstgebets
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Die Gestaltung des Rüstgebetes / allgemeinen Sündenbekenntnisses
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Das Rüstgebet in der Liturgiegeschichte
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Der liturgische Ort des Rüstgebetes im Gottesdienstverlauf
Rüstgebet und
Sündenbekenntnis gestalten
Spricht Liturg / Liturgin das Rüstgebet, so ist gerade bei diesem Gebet zu bedenken, dass sich das Beten
im Gottesdienst vom persönlichen Beten unterscheidet. Lange
Satzperioden, allzu persönliche Bekenntnisse, poetische Formulierungen
und eine Flut von Bildern
sind nicht gebracht. Allgemein nachvollziehbare, bündige, kurze, leicht
verstehbare Formulierungen sind angebracht, damit die Gottesdienstgemeinde still mitbeten kann.
Soll die Gemeinde ab einer bestimmten Stelle eine Vergebungsbitte mitsprechen,
so ist es notwendig, dass sie sich an ein gleichbleibendes Stichwort gewöhnen kann.
Solche Stichwörter sind z.B.:
"Lasst
uns Gott um sein Erbarmen bitten!" / "Wir sprechen miteinander!" /
"Erbarme dich unser und vergib uns!"
Ggf. muss das Gebet schriftlich vorliegen, um Unsicherheiten zu vermeiden.
Die Gottesdienstgemeinde inhaltlich beteiligen!
Auch Rüstgebet / Sündenbekenntnis liegt es nahe, die Gemeinde mehr als nur mit der auswendig
gesprochenen Bitte ("Der allmächtige Gott erbarme sich unser, ..."), zu beteiligen:
Das Empfinden der Ohnmacht und Hilflosigkeit und das Angewiesensein auf Gottes
Gnade können Gemeindeglieder gut nachempfinden, in Worte fassen und
konkretisieren. Sie können an Beispielen aufzeigen, wie dieses Empfinden
durch eigene Erlebnisse (Flucht, Krankheit, Verlust von Angehörigen)
sowie durch Berichte der Medien ausgelöst wurde. Sie können Trauer,
Ratlosigkeit, Sehnsucht äußern. Solche Sätze können vorbereitetet sein
oder spontan formuliert werden. In diesen Fällen können die Äußerungen
durchaus persönlich sein, man versteht, dass dies authentische, persönliche
Empfindungen sind und man wird sie für sich nachempfinden oder relativieren.
Empfindungen der Schuld, des Versagens, der Belastung und Ohnmacht sind von
Teilnehmenden vorher auf Zettel geschrieben
worden. Sie werden vor dem Gottesdienst beim Liturgen / bei der Liturgin
oder dem Vorbereitungskreis abgegeben, damit sie Berücksichtigung finden.
In den Gruppenstunden der Gemeinde oder bei Besuchen (z.B.
Geburtstagsbesuch oder Trauerbesuch) kann die Anfertigung dieser Zettel angeregt werden.
Die am Gottesdienst Teilnehmenden bringen eigene Formulierungen ein.
An der Pinnwand am Eingang des Kirchsaales hängen vorbereitete Zettel mit
Schuldbekenntnissen - die Gottesdienstteilnehmenden wählen vor dem
Gottesdienst selbst Bekenntnisse aus und legen sie zur Verlesung auf den
Altar oder heften sie an ein Kreuz.
Eine Vorbereitungsgruppe beschriftet Steine mit Sätzen, die Schuld oder
Belastungen verdeutlichen. Diese "Schuldsteine" liegen bereit,
damit die Teilnehmenden sich (vor oder während des Gottesdienstes) Steine
auswählen, auf denen sie ihre Situation wiederfinden. Diese werden während
des Gottesdienstes als Schuldbekenntnis und zur Entlastung
abgegeben. Sie werden z.B. auf den Altar oder auf ein am Boden liegendes
Kreuz gelegt oder ein anderes Gemeindeglied nimmt Steine an sich - die
Last wird damit symbolisch geteilt.
Die oben beschriebenen Steine bzw. die Zettel können zu jedem Gottesdienst
ausliegen, und die „Verlesung“ kann zum festen Bestandteil der
Liturgie werden.
Die Möglichkeit, dass die Gottesdienstteilnehmenden aus einer Vielzahl von Sätzen selbst
"ihre
Schuld" bzw. "ihre Belastung" auswählen, erfüllt die Funktion
einer "Gewissensprüfung". Man darf sich selbst erforschen - muss sich nicht Vorwürfe machen lassen.
Das allgemeine Schuldbekenntnis als Gewissenserforschung
Eine solche "Gewissensprüfung
bzw. Gewissenserforschung" kann auch angeregt werden, indem vor dem Rüstgebet
in die meditative Stille hinein Fragen gesprochen werden, wie:
- Was belastet mich im Augenblick besonders?
- Mit wem liege ich im Streit?
- Wie gehe ich mit Andersdenkenden um?
- Was tue ich für Menschen, denen "Lebensnotwendiges" fehlt?
Formulierungshilfen zum Schuldbekenntnis aus dem Gotteslob
Bei der Formulierung von Sätzen mit möglicher Schuld ist das katholische
Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" sehr hilfreich. Aufgrund der dort gefundenen Anregungen formulieren wir:
- Ich habe nicht geholfen, wo ich dringlichst gebraucht wurde.
- Ich habe nicht gemerkt, wo andere traurig waren.
- Ich habe zu sehr gezögert, wo ich eine Freude machen konnte.
- Wo ich teilen konnte, habe ich alles für mich behalten.
- Ich habe nicht um Verzeihung gebeten.
- Ich habe nicht verziehen.
- Ich habe nicht vergeben, wo man mich kränkte.
- Ich habe meinen Vorteil gesucht auf Kosten anderer.
- Ich habe anderen wehgetan.
- Ich war lieblos zu Pflanzen und Tieren.
- Ich bin nicht entschieden gegen Gewalttätigkeit vorgegangen.
- Ich habe wenig für meinen Körper getan.
- Ich gebe Süchten zu leicht nach.
- Ich habe meine geistige und seelische Gesundheit vernachlässigt.
- Ich habe mich zum Zorn hinreißen lassen.
- Ich habe geschwiegen, wo ich sprechen sollte.
- Ich habe dich, Gott, vergessen.
Enthält der Gottesdienst solche Abschnitte, bei denen die Teilnehmenden ihre persönlichen
Empfindungen einbringen, empfiehlt sich ein Gottesdienstnachgespräch, bei dem ergänzt und erörtert wird.
Für das einleitende Gebet bei Beerdigungsfeiern, Trauergottesdiensten,
Bestattungen geben wir Ihnen in unserem Trauerportal zahlreiche
ausformulierte Beispiele.
Bußakt und Kyrie
Das Rüstgebet kann direkt in das Kyrie einmünden oder einzelne Abschnitte können
mit gemeinsamen Kyrie-Rufen aufgenommen werden - siehe dazu das Kapitel
"Kyrie".
Das Rüstgebet als Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen
Bei Matthäus 5,23 u. 24 steht: "Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst
und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so
lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich
mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe." Diese Worte begründen
den häufig zu findenden Vorschlag, sich vor dem Abendmahl gegenseitig
Schuld einzugestehen und zu vergeben. Man zeigt damit: Wir möchten das
Mahl nicht dadurch zur Farce machen, dass unser Leben im krassen
Widerspruch zum Liebesopfer Jesu steht - wir beginnen nun, unser
Alltagsleben dazu in Einklang zu bringen.
Es gibt keinen Grund dafür, warum eine solche Übung der Versöhnung und gegenseitigen
Vergebung nur auf Abendmahlsgottesdienste beschränkt
sein soll. Sie kann auch in Gottesdiensten ohne Sakrament und bei
Andachten als kurzer liturgischer Akt geschehen, indem man sich einfach die Hand reicht.
Man kann diese gegenseitige Vergebung entfalten, wobei
z.B. kleine Gruppen gebildet werden, in denen man über Vorurteile,
Schuld, Trennendes spricht und sich versöhnt. Letzteres empfiehlt sich für
Gottesdienste in festen Gruppen, wo die Beteiligten sich kennen.
Man sollte das Bekenntnis von Schuld und die
Versöhnungshandlungen nicht als Reinigung verstehen. Unsere Unzulänglichkeiten sind Gott
bekannt und er nimmt uns gnädig an. Wir dürfen mit aller Schuld vor ihn
treten. Damit verunreinigen wir nicht den Gottesdienst oder die Eucharistie. Aber wir zeigen mit einem Schuldbekenntnis, dass seine Liebe uns bewegt und nicht
spurlos an uns und unserem Zusammenleben vorbeigeht.
Das Vaterunser als Rüstgebet
So, wie das Vaterunser als Zurüstung vor dem
Abendmahl verstanden werden
kann, hat es in besonderen Fällen auch hier im Eingangsteil des
Gottesdienstes als Rüstgebet einen guten Platz. Damit diese Funktion
deutlich wird, können die fünfte und sechste Bitte (Und vergib uns
unsere Schuld / Und führe uns nicht in Versuchung) besonders
hervorgehoben werden - indem sie z.B. als gesungener Rahmenvers zusätzlich
vor und nach dem Gebet stehen.
Den Eingangsteil des Gottesdienstes zum Bußteil entfalten
An Bußtagen (wie Buß- und
Bettag), in Zeiten der Besinnung, Vorbereitung
und Umkehr (wie Passionszeit und
Adventszeit) bietet es sich an, den gesamten
Eingangsteil zum Bußteil auszuformen. Neben den genannten
Gestaltungselementen sollte dann der Psalm entsprechend gewählt sein -
dies kann z.B. einer der sieben Bußpsalme (6, 32, 38, 51, 102, 130, 143)
sein. Passende Lieder finden wir im Gesangbuch, insbesondere im Abschnitt Beichte unter der Rubrik
Gottesdienst. Das "Christe, du Lamm
Gottes" (EG 190.2) oder eines der Kyrielieder (EG 178.1-14)
sind passende Erbarmungsrufe und werden ggf. mit Texteinschüben zur
Litanei geformt. Der weihnachtliche Hymnus, "Ehre sei Gott in der Höhe"
(Großes Gloria), entfällt dabei ganz oder er steht erst nach der Predigt
oder im Abendmahlsteil. Ebenso unterbleibt das Halleluja, welches ursprünglich ein österlicher
Jubelruf war. Lobgesänge werden so gewählt, dass sie in einen derart
entfalteten Eingangsteil passen (z.B. "Allein Gott in der Höh ...",
Vers 3, EG 179 oder „Der große Lobgesang“, EG 180.1).
Gestik - Mimik - Haltung
Das Knien ist eine Haltung, die dem Bekenntnis der
Schuld und der Ohnmacht körperlich Ausdruck verleiht. Protestanten tun
sich mit dieser Geste schwer. Doch auch in evangelischen Gottesdiensten
sollte man das Niederknien, unter gewissen förderlichen Bedingungen, behutsam einführen? Es gibt sicherlich Teile im Gottesdienst,
wo die aufrechte, stolze Haltung die angemessene ist. Aber wir sagen doch nicht mit Stolz:
"Ich
bin hilflos und erbarmungswürdig!" Unsere körperlichen Äußerungen müssen
gerade im religiösen Bereich stimmig sein, denn wir treten offen, ehrlich
und ohne derartige Widersprüchlichkeiten vor Gott.
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