Der christliche Gottesdienst

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1. Eröffnung / Kyrie eleison Seite 2

 

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1. Eröffnung

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Sendung

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Impressum

Kyrie eleison - Herr, erbarme dich!
Erbarmungsruf und Ehrerbietung gestalten

Hier auf Seite 2: > Das Kyrie eleison vielfältig gestalten

Auf Seite 1: > Geschichte und Bedeutung des Kyrie-Rufes

> Der dramaturgisch richtige Ort für das Kyrie im Gottesdienst

Ausgestaltung / Alternativen / Anregungen

Welche Möglichkeiten gibt es, das Kyrie als Erbarmungsruf, Bittruf oder Huldigungsruf im Gottesdienst bzw. in der Messe kreativ zu entfalten und zu gestalten

Das Kyrie ist eine klassische Aufgabe
für einen liturgischen Chor!

Es hat Tradition, dass das Kyrie von einem Chor gesungen wird. Es hat sich aber aus praktischen Gründen so entwickelt, dass Liturg / Liturgin bzw. Organist / Organistin das Kyrie intoniert (anstimmt), denn ein Chor ist zumeist nur zu besonderen Anlässen im Gottesdienst.

Es ist ein Missverhältnis, wenn sich der Einsatz des Chores auf "besondere" Gottesdienste und herausragende Konzerte konzentriert. Die musikalische Ausgestaltung des „allsonntäglichen“ Gottesdienstes darf nicht vernachlässigt werden.

Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass es im Sinne des Gemeindeaufbaus lohnend ist, einen kleinen Chor zu bilden, der die entsprechenden liturgischen Teile singt.

Das Kyrie mit Gemeindegruppen gestalten

Mehrere Personen und ganze Gruppen können bei der Gestaltung des Kyrie einbezogen werden. So können einzelnen Kyrierufen ausformulierte Huldigungen vorangestellt werden, die von einer oder mehreren Personen gelesen werden. Es entsteht eine Kyrie-Litanei. Z.B. singen oder sprechen Vorbeter / Vorbeterinnen (V), Liturg / Liturgin (L) und Gemeinde (G) im Wechsel:

Vorsänger: Herr, du bist für uns Mensch geworden.
Liturg: Kyrie eleison -
Gemeinde: Herr, erbarme dich.
V: Herr, du bist für uns in den Tod gegangen.
L: Christe eleison - 
G: Christe, erbarme dich.
V: Herr, du bist der Herrscher, der für uns lebt.
L: Kyrie eleison
G: Herr, erbarm dich über uns.

Wechselnde Kyrie-Litaneien passend zu unterschiedlichen Zeiten im Kirchenjahr

Hier hören sie eine Kyrie-Litanei aus Taizé:  > anhören

Diese ausformulierten Huldigungen können spezifische Aussagen der jeweiligen Kirchenjahreszeit beinhalten. So schlägt das offizielle Evangelische Gottesdienstbuch z.B. für den Ostersonntag eine Fassung vor, welche die ursprüngliche Bedeutung des Kyrie als Huldigungsruf hervorhebt:

Vorbeter: Herr Jesus Christus, 
du hast die Macht des Todes gebrochen.
G: Kyrie eleison.
V: Du beschenkst uns mit deinem Leben.
G: Christe eleison.
V: Du erfüllst uns mit Hoffnung und Freude.
G: Kyrie eleison.

Das folgende Beispiel einer Kyrie-Litanei finden wir im Gotteslob unter Nummer 495.

Vorsänger: Herr Jesus, Sohn des lebendigen Gottes:
Alle: Kyrie eleison
V: Du Mittler des Neuen Bundes:
Alle: Alle: Kyrie eleison
V: Herr Christus, du hast für uns getragen Kreuz und Leiden:
Alle: Christe eleison
Du bist für uns auferstanden von den Toten:
Alle: Christe eleison
Herr Jesus, du Herr deiner Kirche:
Alle: Kyrie eleison.
V: Du Hoffnung der ganzen Erde:
Alle: Kyrie eleison

Weitere Beispiele für die verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres finden sich ab Seite 520 im Evangelischen Gottesdienstbuch und  im Gotteslob unter Nummer 495 ff.

Das Rüstgebet als Kyrie-Litanei

Das Kyrie kann mit dem Rüstgebet (siehe oben) verbunden werden. Dabei tritt sein Charakter als Hilferuf in den Vordergrund. Einzelne Sprecher / Sprecherinnen treten dazu vor und äußern Betroffenheit durch z.B. Krieg, Grausamkeiten, Not, Flucht, Missbrauch, Machthunger. Die Gemeinde antwortet jeweils mit einem Kyrie-Ruf. Dieser Ausdruck der Hilflosigkeit und Not kann unterstrichen werden, indem Zeitungsausschnitte (Texte und / oder Bilder) auf Plakaten oder „Pinwänden“ gezeigt und kommentiert werden.

Es ist darauf zu achten, dass aus diesem Rüstgebet nicht ungewollt und unbewusst schon ein Fürbittengebet entsteht, was bei solchen Ausformungen des Kyrie schnell geschieht.

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Das Kyrie eleison in der Form mittelalterlicher sowie moderner Leisen

Als in der Kirche des Mittelalters das Kyrie dem Chor vorbehalten war und dieser es in immer größeren, langgezogenen musikalischen Bögen sang, entwickelte sich eine Beteiligung der Gemeinde, indem diese das Kyrie "leise" mit deutschen Texten unterlegte. Diese sogenannten „Leisen“ (von „eleison“) waren der Beginn des deutschen Kirchenliedes. Die einzelnen Strophen endeten mit „Kyrieleis“.

Solche (auch moderne) „Leisen“ finden wir in unseren Liedbüchern. Wir sollten sie als Gestaltungsmoment nicht vernachlässigen. Beachten Sie z.B. 

  • "Du Kind, zu dieser heilgen Zeit" (EG 50), 
  • "Nun sei uns willkommen, Herre Christ" (EG 22, GL 131)
  • "Gelobet seist du, Jesu Christ" (EG 23, GL 130), 1. Strophe. 1380, zur Weihnachtssequenz Grates nunc omnes, von Martin Luther erweitert
  • "Ehre sei dir, Christe" (EG 75)
  • "Holz auf Jesu Schulter" (EG 97), eine moderne Osterleise (dt. 1977)
  • "Christ ist erstanden" (EG 99, GL 213) zur Ostersequenz Victimae Paschali laudes
  • "Jesus Christus, unser Heiland" (EG 102)
  • "Christ fuhr gen Himmel" (EG 120, GL 228)
  • "Nun bitten wir den Heiligen Geist" (EG 124, GL 248), zur Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus, von Luther erweitert (das Gotteslob hat hier Strophen von Maria Luise Thurmair und Michael Vehe)
  • "Gott sei gelobet und gebenedeiet" (EG 214, GL 494) zur Fronleichnamssequenz Lauda Sion
  • "Dies sind die heilgen zehn Gebot" (EG 231)
  • "In Gottes Namen fahren wir" (EG 498, GL 303), Pilgerlied

Dopplungen in der Liturgie vermeiden

Grundsätzliche Regel: Wenn einzelne Teile der Liturgie besonders ausgestaltet und gewichtet werden, kürzen oder streichen wir andere Stücke. Überfrachtungen werden so vermieden und die Bedeutung des entfalteten Teiles tritt klarer hervor. Diese Regel bedeutet für das Kyrie: Enthält die Kyrie-Litanei im Eröffnungsteil Bittrufe, so sollten die Fürbitten (die eigentlich an späterer Stelle stehen) entfallen. Da kann man sich dann auf das Vaterunser beschränken. Entsprechend sollte im Eingangsteil das Kyrie entfallen, wenn an späterer Stelle die Fürbitten zur Kyrielitanei entfaltet werden.

Dem Kyrie einen klaren Charakter geben

Wie wir sehen, gibt es viele Möglichkeiten für die Verwendung des Kyrie. Es ist durchaus angebracht, in verschiedenen Gottesdiensten die unterschiedlichen Bedeutungsgehalte hervorzuheben: Huldigung, Notruf oder Bitt- und Erbarmungsruf. Es sollte aber eindeutig sein, welche der Funktionen es jeweils übernimmt.

Das Kyrie mit unterschiedlichen Melodien singen

Es gibt viele melodisch sehr schöne Kyrie-Rufe. Einige davon stehen im Evangelischen Gesangbuch unter Nr. 178. Sie sollten genutzt werden. Das sind Melodien, die nachwirken. 

Moderne Kyrie-Lieder nutzen

Eine Vielzahl guter Kyrieverse und Kyriemelodien finden wir im modernen Liedgut. Hier ist beispielhaft zu nennen: 

  • "Es ist genug, mein Gott" (Peter Janssens)
  • "Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich" (Peter Janssens)
  • "Gott, erbarme dich, steh uns bei" (Peter Janssens)
  • "Herr, erbarme dich, erbarm dich unser, erbarm dich unserer Zeit" (Peter Janssens)
  • "In our darkness" (Taizé)
  • "Kyrie Kanon" (Rainer Ibe)
  • "Herr, erbarme dich" (Johannes Achilles)

Lieder als Erbarmungsruf

Ebenso finden wir im Evangelischen Gesangbuch, im Gotteslob und anderen Liedbüchern Lieder, die das „Herr, erbarme dich“ ausformulieren. Sie können zu besonderen Anlässen und Kirchenjahreszeiten an die Stelle des üblichen Kyrie treten können. Dies sind neben den Liedern, die unter EG 178 stehen z.B.:

  • "Erbarme dich, erbarm dich mein" (Fastenzeit GL 164,1)
  • "Jesus Christus, unser Heiland" (Osterzeit / EG102)
  • "Sonne der Gerechtigkeit" (EG 262 / Gotteslob 644)

Luthers Kyrie-Litanei als Anregung, Beispiel und Grundlage

Entfaltet man das Kyrie, so sollte Luthers „Litanei“ (EG 192) nicht unbeachtet bleiben. Zumindest gibt sie der Gottesdienstvorbereitungsgruppe Anregung für eigene Entwürfe. Vergleichen Sie dazu unsere Anregung im Kapitel „Fürbitten“.

Das Kyrie mit symbolischen Handlungen begleiten

Die Kyrierufe lassen sich gut durch symbolische Handlungen verstärken, wobei Gemeindeglieder einbezogen werden können:

  • Man zündet bei jedem Ruf eine Kerze oder ein Teelicht an - diese können z.B. auf einer Klagemauer aus Pflastersteinen stehen, auf einem mehrarmigen Kerzenständer, auf einem Kreuz am Boden oder auf dem Adventskranz

  • Zu jeder Klage wird ein Stichwort auf ein großes Blatt geschrieben und hochgehalten. So entsteht ein "Demonstrationszug"

  • Gemalte Münder oder Hände, die nach Hilfe rufen oder Plakate, die Not verdeutlichen, werden gezeigt

  • Zu jedem Kyrieruf wird - je nach Kirchenjahreszeit - ein (Palm-) Zweig, eine Blume oder ein anderes Symbol aufgestellt.

Hosianna / Hosanna

Ein Hosiannaruf oder Hosiannalied kann an der Stelle eines Kyrie oder Kyrieliedes stehen. Siehe dazu im Evangelischen Gesangbuch die Lieder 13 (Advent), 150,6 (Trauer / Ende des Kirchenjahres), die liturgischen Gesänge unter Nr. 185 sowie im Gotteslob die Nummern 198 und 199. Dabei ist zu bedenken, dass der alte Hilferuf „Hosianna“ (aus Psalm 118,25) sich im Verständnis der Menschen zu einem Lob- und Jubelruf entwickelt hat, während das ehemals eindeutig ehrerbietende „Kyrie eleison“ mehr zu einem Bittgesang und Erbarmungsruf wurde.

Passende biblischen Geschichten zum Kyrie

"Herr, erbarme dich" - so bitten die Blinden (Matthäus 9,27 und 20,30 / Markus 10,47 und Lukas 18,38), so ruft die kanaanäische Frau für ihre "besessene" Tochter (Matthäus 15,22) und der Vater für seinen „mondsüchtigen“ Sohn (Matthäus 17,15). Mit diesem Ruf geben die zehn Aussätzigen ihrer Hoffnung Worte (Lukas 17,13), und so bittet der Reiche im Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus (Lukas 16,24). Bringt man im Gottesdienst das Kyrie in Verbindung zu diesen Geschichten, so wird besonders deutlich, dass es ein Ruf ist, der die Erkenntnis der Hilflosigkeit mit dem Wissen um die Nähe des rettenden Gottes vereint, ein Ruf, der die Menschheit begleitete und auch in der Gegenwart eine lebendige Bedeutung haben kann.

Die Lesung / Erzählung einer dieser biblischen Geschichten kann mit Kyrierufen umrahmt und unterbrochen werden.

Die Nöte der rufenden Menschen damals und der Menschheit heutzutage können zwischen den Kyriestrophen ausgebreitet werden

Das Kyrie als Pilgerlied

Die feiernde Gemeinde kann sich prozessionsmäßig (durch den Kirchsaal) auf den Weg machen, wie die Blinden es taten („sie liefen ihm nach“, Matthäus 9,27), und das Kyrie dabei singen. So wird nachempfunden, dass das Kyrie auch ein Pilgerlied war und ist.

Das Kyrie zum Lobpreis entfalten

Die lobpreisende, hymnische Bedeutung des Kyrie kann hervorgehoben werden, indem es mit Lobversen oder einem Glaubensbekenntnis verflochten wird. Beispielhaft zeige ich dies am Christushymnus aus dem zweiten Kapitel des Philipperbriefes gezeigt:

Gemeinde oder Chor: "Kyrie eleison!"

Lektorin: "Er war wie Gott. Aber er betrachtete diesen Vorzug nicht als unaufgebbaren Besitz. Aus freiem Entschluss gab er alles auf und wurde wie ein Sklave."

Gemeinde oder Chor: "Kyrie eleison!"
Lektorin: "Er kam als Mensch in die Welt und lebte wie ein Mensch. Im Gehorsam gegen Gott ging er den Weg der Erniedrigung bis zum Tod. Er starb den Verbrechertod am Kreuz."

Gemeinde oder Chor: "Kyrie eleison!"

Lektorin: "Dafür hat Gott ihn über alles erhöht und hat ihm den höchsten Ehrennamen verliehen, den es gibt. Alle Wesen, die Gott geschaffen hat, müssen vor Jesus niederknien und ihn ehren, ob sie nun im Himmel, auf der Erde oder im Totenreich sind."

Gemeinde oder Chor: "Kyrie eleison!"

Lektorin: "Alle müssen feierlich zum Ruhm Gottes, des Vaters, bekennen: Jesus Christus ist der Herr!"
Gemeinde oder Chor: "Kyrie eleison!"

Die Geistlichen reihen sich bei den Lobrufen und Erbarmungsrufen in die Gemeinde ein!

Wir haben schon in der Einleitung zu diesem Hauptteil „Eröffnung und Anrufung“ darauf hingewiesen, dass sich Liturg / Liturgin bei den Stücken, in denen sich die Gemeinde anrufend an Gott richtet, sinnvollerweise in die Gemeinde einreiht - also zum Altar blickt. Dies gilt auch für das Kyrie.

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© Dipl.-Päd. Pfarrer Frank Maibaum        http://www.frank-maibaum.de       Stand: 12. November 2013